Beitrag vom 25. Februar 2026

Grenzen überschreiten – in a nutshell

(C) Hitze in Städten 2018

Das Webinar „Grenzen überschreiten“ stellt das zweite Webinar in der dreiteiligen Webinarreihe im Projekt KERNSTÜCK – Ortskernrettung und Bodenschutz in Gemeinden dar.

Entscheidungsträger:innen in Gemeinden stehen oft vor der Frage, wie sie die Ortskernbelebung starten sollen, wie sie die Bevölkerung einbinden können, welche Möglichkeiten sie haben – und wie sie argumentieren können, dass Bodenschutz ein wichtiges Thema in der heutigen Zeit ist und auf Gemeindeebene dringend umgesetzt werden muss.

In seinem Einstiegsreferat betont Peter Tramberend (Umweltbundesamt):

Wir wollen Bodenkompetenz in den Gemeinden stärken.

Im HORIZON Projekt SPADES – Spatial Planning And DEsign with Soil werden europaweit Strategien und Werkzeuge entwickelt, mit denen Bodengesundheit systematisch in die Raumplanung integriert wird, damit Städte und Regionen gesünder, klimaresilienter und nachhaltiger gestaltet werden können.

Drei Beispiele aus dem SPADES Projekt
  • Montpellier – Durch das frühzeitige Einbinden von Landwirtschaft und NGOs in die strategische Stadtentwicklung können Nutzungskonflikte proaktiv gelöst werden. Bodenschutz verlagert sich vom rein quantitativen Bodenschutz (Anzahl der Quadratmeter) zum qualitativen Bodenschutz (Bodengesundheit, Infiltrationsleistung, Ertragspotential, …).
  • Ljubljana – Mit dem Fokus auf sog. Grünen Keilen (Kaltluftschneisen) wird bodenbewusste Raumplanung neu gedacht und umgesetzt. Grünflächenindikatoren werden etwa ganz konkret in Bebauungspläne aufgenommen. Stichwort: Netto-Null-Flächenverbrauch.
  • Göteborg – In der Industriestadt liegt der Fokus darauf, Böden zu dekontaminieren, den Bodenaushub nach Möglichkeit zu recyclen und Bodendaten als Entscheidungsgrundlage für die Flächenwidmung zu nutzen.

Marion Ebster-Kreuzer (CIPRA International) zitiert aus ihrem aktuellen InterReg Projekt KLuGE Straßen (KLuGE = KLimafit und GEsund):

Wenn eine Straße aufgemacht wird, soll sie KLuG wieder zugemacht werden.

In diesem Projekt wird ein praktikables Werkzeug erarbeitet, das klimafitte und gesundheitsfördernde Kriterien übersichtlich und anwendungsorientiert darstellt, damit alle Bevölkerungsgruppen es niederschwellig nutzen können und so in die Gestaltung bzw. Neuplanung eingebunden werden. Dabei sollen «KLuGE» Kriterien in Straßenraum-Projekten (z. B. Wasser, Kanal, Fernwärme, Strom, Glasfaser, …) integriert werden – immer dann, wenn ohnehin Straßenbauarbeiten notwendig sind. Sobald die Website des Tools KLuGE Straßen verfügbar ist, wird sie an dieser Stelle bekannt gemacht.

In seinem Erfahrungsbericht gibt Bgm. Rainer Handlfinger Einblicke in die Hauptplatzentwicklung der Marktgemeinde Ober-Grafendorf. Er bringt ein ungewohntes Beispiel, wie Stakeholder aller Altersstufen in den Prozess involviert werden können:

Wir haben die Planung mit Bauklötzen begonnen. Ich wurde dafür belächelt, doch dieses gemeinsame „Basteln“ hat die Sache anschaulich gemacht.

Der Hauptplatz war früher geprägt von unübersichtlichen Verkehrsflüssen und leerstehenden Gebäuden. In Exkursionen ließen sich die Gemeinderät:innen von erfolgreichen Beispielen in anderen Gemeinden inspirieren: Dass eine Lösung in anderen Gemeinden positiv aufgenommen ist, gab den Entscheidungsträger:innen den Mut, sich für neue Ideen zu entschließen. Um den neuen Platz auch tatsächlich klimafit zu gestalten, wurde das Projekt GreenPass zertifiziert. Die Diskussion um PKW Stellplätze wurde in eine konstruktive Richtung geführt, indem man über höherwertige Nutzung sprach, die allen Bürger:innen Lebensqualität bringen könnte.

Möglichst viele Menschen in den Prozess zu integrieren, gehört zu den Erfolgsfaktoren des umtriebigen Bürgermeisters. Dieses Engagement wurde u.a. mit der Goldenen Kelle 2022 gewürdigt.

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