Das Webinar „Gemeinsam stark“ stellt das dritte Webinar in der dreiteiligen Webinarreihe im Projekt KERNSTÜCK – Ortskernrettung und Bodenschutz in Gemeinden dar.
Entscheidungsträger:innen in Gemeinden stehen oft vor der Frage, wie sie wirtschaftliche Standortentwicklung und Bodenschutz unter einen Hut bringen. Zusammenarbeit zwischen Gemeinden innerhalb einer Region ist der Schlüssel zum Erfolg.
In seinem Einstiegsreferat betont Alois Humer (TU Wien):
Ortsnahe Flächen wurden und werden besonders intensiv genutzt. Daher werden oftmals hochwertige Böden für Bebauung verwendet.
In einem historisch Abriss erklärt er, wie sich die Nutzung von Boden rund um Siedlungen und Städte im Laufe der Zeit (Landwirtschaft, Industrialisierung, Dienstleistungsgesellschaft) geändert hat. Boden ist dabei ein nicht vermehrbares Gut und spielt daher gerade im städtischen Raum eine zentrale Rolle. So wird die Bodennutzung und Bodeninanspruchnahme zu einer überörtlichen bzw. interkommunale Herausforderung, die nur gemeinsam in Kooperation miteinander gelöst werden kann.
Sabine Rabl-Berger (Umweltbundesamt) stellt den Brachflächendialog vor und ermutigt sowohl kommunale als auch betriebliche Entscheidungsträger:innen:
Bereits in Anspruch genommene Flächen – seien es Gebäude oder Verkehrsflächen – können neu gedacht und anders genutzt werden.
Das Instrument Brachflächendialog dient dazu, Industrie- und Gewerbestandorte wiederzubeleben und auf diese Weise die Flächeninanspruchnahme in Österreich zu reduzieren. (Webinare, Förderungen, Facharbeitsgruppen, Beratung, Austausch, …) Um das EU Ziel der Netto-Null-Flächeninanspruchnahme bis 2050 zu erreichen, liegt viel Potential in der Neu-Nutzung von Brachflächen.
Vorteile von Flächen-Recycling
Vorteile der Nutzung von Brachflächen:
- oft in guter Lage
- bereits erschlossene Infrastruktur
- schnellere Genehmigungsverfahren
Vorteile der Nutzung von Bestand:
- Umbau spart CO2 und Ressourcen (graue Energie)
- Attraktive Mischnutzung möglich: Büro-, Gewerbe-, Wohnnutzung
Außerdem:
- Finanzierungsvorteile für nachhaltige Projekte (ESG & EU Taxonomie)
- Revitalisierung –> Attraktive Quartiere, Aufwertung der Region
- Reduktion der Flächeninanspruchnahme
In seinem Erfahrungsbericht gibt Horst Gaigg (INKOBA Salzkammergut) Einblicke in die INterKOmmunale BetriebsAnsiedlung – kurz INKOBA – in Oberösterreich als Kompetenzzentrum für regionale Standortentwicklung.
Kooperation stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Region.
In einer INKOBA arbeiten Gemeinden zusammen, um ihre Standorte bestmöglich gemeinsam zu verwerten und Leerstand zu reaktivieren. Dazu teilen sie die Einnahmen durch die Kommunalsteuer in einem geeigneten Verhältnis auf.
Vorteile einer INKOBA
- Gemeinsame, solidarische Regionsentwicklung und interkommunale
Kooperation - bedarfsorientierte Betriebsflächenentwicklung –> Standortqualität
- Es wird nicht in jeder Gemeinde ein Betriebsbaugebiet errichtet, sondern nur dort, wo die ökologischen und ökonomischen Voraussetzungen passen (schlechter
landwirtschaftlicher Boden, Autobahnnähe, zentrale Lage, Anrainersituation, öffentliche Anbindung, Verfügbarkeit, etc.) - Gemeinden bestimmen selbst, welcher Betrieb zu welchen Konditionen an welchem Standort angesiedelt wird.
In der moderierten Diskussion werden die sogenannten Soil Walks eingebracht, wie Gemeinden Bewusstsein für die Bedeutung und die Nutzung von Boden schaffen können – niederschwellig bei einem geführten und moderierten Spaziergang durch die Gemeinde.